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02.08.2012 - Heinz Ostermann erinnert an „Eisenfuß“ Weisenberger
Beim Heimatbesuch des Großkrotzenburger Silber-Gewinners Gerhard Himmel gibt sich das Who’s Who der Ringerszene ein Stelldichein

Schwergewichte unter sich: Als Gerhard Himmel am Mittwochabend im Aschaffenburger Ringer-Leistungszentrum Nick Matuhin begrüßte, war Schmackes hinter dem Handschlag. Himmel, 47, hat vor 24 Jahren das erreicht, was Matuhin in wenigen Tagen anstrebt: eine olympische Medaille. Der aus Großkrotzenburg bei Hanau stammende Himmel gewann 1988 in Seoul Silber seiner Gewichtsklasse im griechisch-römischen Stil und wurde ein Jahr darauf auch noch Weltmeister. Matuhin, 22, in der Liga für den 1. Luckenwalder SC auf der Matte und in der Londoner Excel-Arena im Freistil-Limit bis 120 Kilogramm für die Bundesrepublik Deutschland am Start, stehen bis zu einem solchen Triumph aber noch harte Aufgaben ins Haus.


Heinz Ostermann, früherer Bundestrainer und derzeitiger Sportdirektor in Österreich beim Interview. Neben ihm, der langjährige erfolgreiche Landestrainer Griechisch-römisch Franz Schmitt.

Noch sind die ersten Runden der Ringer-Wettbewerbe, die am 5. August beginnen, nicht ausgelost. „Ich mache mir keinen Kopf, auch wenn ich eine Medaille gewinnen will“, so Matuhin am Mittwoch. Für Himmel genau die richtige Einstellung - so habe er es einst auch gemacht. Überhaupt hielt sich der 47-Jährige bei der Rückkehr in seine Heimat mit Tipps für Matuhin und Tim Schleicher, den zweiten anwesenden Olympia-Ringer, zurück: „Die Kollegen sind Profis genug, da brauche ich keine Ratschläge zu geben.“
Rückkehr? Richtig: Gerhard Himmel ist zwar ein Kind der Region, sein Lebensmittelpunkt befindet sich aktuell aber in Shanghai. Den promovierten Betriebswirtschaftler hat es aus beruflichen Gründen nach Fernost verschlagen - doch nicht für immer: In „ein, zwei Jahren“ könne es wohl zu einer Rückkehr gen Großkrotzenburg kommen, ließ er am Mittwoch durchblicken.
Dass er sich der Region und dem hiesigen Ringen nach wie vor verbunden fühlt - während der Olympiade ist Himmel noch in Deutschland und muss beim TV gucken somit keine Zeitumstellung hinnehmen -, zeigte Himmel auch im Ringerleistungszentrum. Sein Heimatbesuch geriet zum Treffen des Who’s who der Szene - mit großem Hallo allerorten. Der frühere Weltmeister traf in Aschaffenburg unter anderen seinen einstigen Bundestrainer Heinz Ostermann, der in Kürze als Sportdirektor des österreichischen Verbandes mit dessen Olympia-Athleten Amer Hrustanovic in London am Start sein wird. Selbst fast zweieinhalb Jahrzehnte zurückblickend regte sich Ostermann noch ein wenig darüber auf, dass Himmel bei seiner Finalniederlage in Seoul vom Kampfrichter benachteiligt worden sei. „Das hat mich schon damals mehr geärgert als ihn selbst.“ Ostermann hatte auch die Schmunzler auf seiner Seite, als er daran erinnerte, wie man den heutigen RWG-Coach Gerhard Weisenberger immer „Eisenfuß“ genannt habe. Weisenberger, am Mittwoch ebenfalls Gast, trainierte Himmel einst wie Jürgen Barleben beim AC Bavaria Goldbach. Mit diesem Verein wurde Himmel 1987 Deutscher Mannschaftsmeister. Von 1988 bis 1990 errang Himmel zudem dreimal den Deutschen Einzeltitel im Greco-Schwergewicht.
Zu Himmels Zeit bei der Einigkeit Aschaffenburg-Damm hieß sein Coach Franz Schmitt - auch er ließ sich das Wiedersehen, dass HRV-Landestrainer Jens Gündling im November 2011 angeleiert hatte - nicht nehmen. Auch wenn er in Sachen Ringen „nicht mehr über alles im Bilde“ sei, wie Schmitt zugab. Er lese aber noch viel darüber und hatte am Treffen im Leistungszentrum (Himmel: „Eine tolle Sache, was hier aufgezogen wurde“) ebenso viel Vergnügen wie Recken à la Rifat Yildiz, der mit dem Großkrotzenburger in Goldbach den Titel holte. Auch die heutigen Bundestrainer Alexander Leipold und Jannis Zamanduridis, sowie Ahmet Cakici (WM-Dritter 1989 Freistil), Peter Behl (Olympia-Fünfter 1988 und heutiger RWG-Coach) sowie viele weitere zählten zu den Gästen am Montagabend. Für den Nachwuchs und auch reifere Fans des Ringens gab es neben einem öffentlichen Kader-Training natürlich auch reichlich Autogramme der Olympioniken Matuhin und Schleicher. Text: Jens Dörr

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