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22.01.2012 - Manfred Werner: "Wir haben die Schnauze voll."

Fotos: Jörg Richter

Die 1. Bundesliga im Tal der Tränen, die zweite Liga im Land der Glückseligkeit. Unter diesem Motto könnte die Bundesligatagung in Darmstadt/Arheilgen gestanden haben. Während das Ringeroberhaus von Rückzügen und Aufstiegsverweigerungen geplagt ist, fühlen sich die Zweitligisten in ihrer Situation wohl und wollen möglichst den Status quo beibehalten.
DRB-Vizepräsident Karl Rothmer plante mit 18 Erstligaclubs. Daraus wird wohl nichts. Der KSK Neuss verabschiedet sich aus der Bundesliga, der AC Lichtenfels deutete ebenfalls konkrete Rückzugsabsichten an und der TSV Musberg möchte die erste Liga verlassen. Es sind möglicherweise nicht die letzten Rückzüge und deshalb wird wohl in absehbarer Zeit erneut zur Versammlung der Bundesligaclubs eingeladen.

SV Triberg und WKG Leipzig-Taucha rückten zwar in die erste Liga auf, aber diese Clubs waren nicht die wahren Aufsteiger. Der TSV Benningen verlor in der 2. Bundesliga-Süd freiwillig, um nicht aufsteigen zu müssen, möchte aber in der 2. Bundesliga bleiben. Auch in der 2. Bundesliga-Ost gab es Unregelmäßigkeiten, die aber bisher nicht zu beweisen sind. In der 2. Bundesliga-Mitte wurde die Reserve der RWG Mömbris/Königshofen Meister, kann aber nicht in die erste Liga aufsteigen. Die Mannschaft wurden inzwischen aus der Liga zurückgezogen. Der Zweite TV Aachen-Walheim kündigte schon vor Saisonende an, nur im Falle der Meisterschaft aufsteigen zu wollen. Der SV Untergriesbach verlor den Relegationskampf gegen TSV Musberg an der Waage und möchte auf diese Weise in die zweite Liga.

Wie sehr eine Kluft zwischen Erst- und Zweitligisten klafft, deutete sich in Darmstadt bei einigen Abstimmungen an. Mit 16:2-Stimmern sprachen sich zum Beispiel die Erstligaclubs dafür aus, die Anzahl der Amateure im Kader einer Bundesligamannschaft auf fünf zu begrenzen. Die Zweitligaclubs lehnten dieses Ansinnen mit 24:2-Stimmen ab.

Die Anzahl der Amateure in Bundesligamannschaften war ein Anknüpfungspunkt für heftige Kritik und Diskussion. An 48 Vereine wurden in der vergangenen Saison 949 Lizenzen vergeben. Davon entfielen 609 auf Amateure, 174 auf Arbeitnehmer mit geringfügiger Beschäftigung (400-Euro-Jobs), 26 auf normale Arbeitnehmer und 136 auf Selbständige. "Das ist absolut unglaubwürdig", betonte Karl Rothmer im Hinblick auf die Praxis, dass unzählige ausländische Ringer Woche für Woche für die Bundesligakämpfe eingeflogen werden.

An einem Problem krankt die Bundesliga schon lange: Während sich einige Bundesligaclubs beim Einsatz von EU-Ausländern wie Proficlubs aufführen, reklamieren sie gegenüber Finanzamt, Sozialversicherungsträgern und Berufsgenossenschaft den Amateurstatus. DRB-Präsident Manfred Werner sprach in diesem Zusammenhang von kriminellem Verhalten einiger Vereine, die sich der Steuerhinterziehung und des Sozialversicherungsbetruges schuldig machten. "Da wird das Wort Handgeld wörtlich genommen, nämlich bar auf die Hand", schimpfte der DRB-Präsident. Dass die Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen sind, bestätigte der 2. Vorsitzende des AC Lichtenfels Stefan Heinlein. Heinlein berichtete von Verhandlungen mit Ringern, denen der Club eine geringfügige Beschäftigung in Form eines 400-Euro-Jobs anbot. Das entspräche einem Nettoeinkommen von 4800 Euro im Jahr. Die Angebote wurden abgelehnt mit dem Verweis, bei ihrem bisherigen Verein verdienten sie als Amateur deutlich mehr. Heinlein erkennt in dieser Praxis eine Wettbewerbverzerrung, die er nicht länger hinnehmen wolle. Er drohte den betroffenen Sportlern und Vereinen mit Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft. Da war es dann plötzlich ganz still im Tagungsraum.

Manfred Werner verwahrte sich gegen Beschuldigungen, die den DRB für die Situation verantwortlich machen. Insbesondere die Zweitligaclubs, die zum großen Teil den Amateurstatus ihrer Ringer reklamieren, ging der DRB-Präsident an: "Da wird eine absurde Einkaufspolitik betrieben. ... Die merken erst zwei oder drei Kampftage vor Schluss, auf was sie sich eingelassen haben." Das führe dann zu den Negativschlagzeilen über selbst herbeigeführte Niederlagen, was dem gesamten Ringkampfsport schade. "Der gesamte Ringkampfsport und die Liga stehen auf der Kippe", warnte der DRB-Präsident und machte sich Luft: "Wir haben die Schnauze voll, wir sind gewillt zu handeln." Werner kündigte Anzeigen und harte Strafen an. Der Deutsche Ringer-Bund wolle nur einen Spitzensport mit sauberer Weste. In einer einheitlichen Anmeldepraxis für die Athleten und Maßnahmen zur Beendigung der Preistreiberei sieht der DRB-Präsident ein geeignetes Mittel zur Erreichung dieses Ziels.

"Wir sind gegenüber heute morgen 10:00 Uhr nicht einen einzigen Schritt weitergekommen ", bilanzierte Manfred Werner nach sechsstündiger Debatte am Ende der Bundesligatagung. Es lagen Anträge vom Deutschen Ringer-Bund, KFC Leipzig, AC Lichtenfels, Luckenwalder Sportclub und SV Triberg vor, die durchaus einige der von Manfred Werner bezeichneten Probleme aufgriffen. Sie wurden in den Bundesligaausschuss und die DRB-Gremien überwiesen. Das Argument: Neuregelungen können für die kommende Saison nicht greifen, weil schon Verhandlungen mit Ringern liefen. Auch das hat seit vielen Jahren System. Die unbequemen Tatsachen werden nicht diskutiert, sondern an andere Stellen verwiesen.


DRB-Präsident Manfred Werner hielt in Darmstadt-Arheilgen eine Brandrede.

Es gab aber auch einige Ergebnisse, die allerdings zumeist zuvor schon in den DRB-Gremien gefasst wurden. Der erste fehlende Ringer in einer Erstligamannschaft kostet in Zukunft 500 Euro Ordnungsgeld (bisher 100 Euro) und in Zweitligamannschaften 250 Euro (bisher 50). Der Mentalität das günstigere Ordnungsgeld zu zahlen, als einen Sportler anreisen zu lassen, soll entgegengewirkt werden. Entgegen den Vorstellungen des DRB – hier insbesondere der Bundestrainer – sollen in der Bundesliga weiterhin drei Gewinnrunden gerungen werden. Der Antrag, die Anzahl der deutschen Ringer in Erstligamannschaften von vier auf fünf zu erhöhen, wurde von den Erstligisten mit 9:9-Stimmen abgelehnt.

Die Meisterschaftsrunde in den ersten und zweiten Ligen soll am 1.September 2012 beginnen und am 22.12.2012 enden. Die Viertelfinals sind für den 29.12.2012 und den 05.1.2013 geplant. Die Halbfinals steigen nach dieser Planung am 12. und 19.1.2013 und die Finalkämpfe am 26.1. und am 2.2.2013.

Die RWG Mömbris/Königshofen würde nach gegenwärtigem Planungsstand in der 1. Bundesliga-West ringen. Die hessischen Zweitlisten KSV Seeheim, KSC Hösbach, KSC Niedernberg, SC Kleinostheim, TSV Gailbach und Aufsteiger SC Großostheim sollen neben TSV Burgebrach, KSV Witten, TV Aachen-Walheim und Aufsteiger AC Köln-Mülheim in der 2. Bundesliga-Mitte ringen.

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