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18.01.2012 - RWG zieht ihre Zweitliga-Riege zurück
»Erhebliches Minus nicht mehr tragbar« - Den Mömbrisern drohen Rückstufung in die Hessenliga und Strafe

Artikel Main Echo Aschaffenburg vom 17.01.2012

Die RWG Mömbris/Königshofen zieht ihre zweite Mannschaft aus der 2. Bundesliga, Gruppe Mitte, zurück. Diese Entscheidung trafen die Geschäftsführer und Gesellschafter des Vereins einstimmig. Einen entsprechenden Antrag hat Arnold Behl, Schatzmeister und Geschäftsführer der RWG Marketing- und Sportförderungs-GmbH, bereits bei Karl Rothmer gestellt. Der Darmstädter ist Vizepräsident Sport beim Deutschen Ringerbund.
Ziel der RWG ist es nicht, diese Mannschaft aus dem Wettbewerb zu nehmen, sondern nur, freiwillig abzusteigen und in der nächsten Saison somit in der Oberliga anzutreten. Mit der ersten Mannschaft wolle man, so Behl, »in der Bundesliga wieder angreifen«, und auch die dritte Mannschaft soll weiterhin in der Hessenliga auf die Matte gehen.

Teils mit fünf EU-Ausländern
Als Zweiter dieser Klasse wagte die »Zweite« der RWG vor vier Jahren den Sprung in die zweithöchste deutsche Klasse, wo ein Platz zu besetzen war. In den ersten beiden Jahren bestand die Riege fast ausschließlich aus deutschen Ringern. In der Folgezeit jedoch dünnte der Kader aus - einerseits durch die Abgänge von Benjamin Hofmann, Klaus Schmitt, Tobias Vogt und Michael Heeg, andererseits aber auch durch das Aufrücken von Ringern wie Saba Bolaghi, Oldrik Wagner und zuletzt Jens Rung in die »Erste«. Die Folge war, dass die RWG II in der vorigen Saison teils mit fünf EU-Ausländern antrat. Auch aufgrund der »Nichtaufstiegsbereitschaft« einiger Konkurrenten wurde diese starke Mannschaft Meister.

50 bis 150 Zuschauer
Trotz dieses sportlichen Erfolges ließ der Zuschauerzuspruch zu wünschen übrig. 50 bis 100 Zahlende passierten durchschnittlich die Kassen, bei Main-Spessart-Derbys auch schon mal 150 - zu wenig und alles andere als kostendeckend. Mehrfach reichten die Einnahmen noch nicht einmal aus, um die Kampfleiter zu bezahlen. Deren Spesen bewegen sich zwischen 180 und 350 Euro pro Einsatz.
Noch nicht bezahlt waren dann aber die vor der Saison zu entrichtenden Gebühren, auch für die Freigabe ausländischer Sportler an deren Heimatländer. Zudem mussten die »Legionäre« eingeflogen werden. Pro Flug waren 300 bis 600 Euro für Martin Hamlet-Nielsen, Krum Chuchurov, Georgi Zayakov und Co. zu veranschlagen.

50 000 Euro verschlungen
Summa summarum verschlang die »Reserve« der Ringer-Wettkampfgemeinschaft in der vorigen Runde mindestens 50 000 Euro. »Dieses erhebliche Minus«, so Arnold Behl, »ist für die RWG leider nicht mehr tragbar«. Schon vor einem Jahr hatte das Mömbriser Ringer-Urgestein diesen Schritt vorgeschlagen, stand damit damals aber noch alleine auf weiter Flur. Die Zweite hatte auch im Vorjahr schon die Meisterschaft geholt, der Ersten war der Sprung ins Finale um die deutsche Meisterschaft geglückt. In dieser Saison verpasste die Bundesliga-Mannschaft den DM-Endkampf - mit entsprechenden finanziellen Einbußen. Dennoch, so Behl, hätte auch dies nichts an der im Laufe der Saison gereiften Entscheidung geändert, die ihm »sehr weh« tue. Angesichts der Bundesliga-Tagung bereits am kommenden Wochenende musste dieser Entschluss schnell gefasst werden. Behl betont, dass der Club in den nächsten Tagen und Wochen mit allen deutschen Athleten Gespräche zum Thema Vertragsverlängerung führen werde und trat damit im RWG-Gästebuch geäußerten Vorwürfen entgegen.

»Ausverkauf der Eigengewächse«
Fans monierten im Internet, dass das RWG-Konzept umgeworfen und der Nachwuchs geopfert werde und diese Entscheidung den »Ausverkauf unserer Eigengewächse« bedeuten würde. Behl stellt hierzu klar, dass man die Zweitliga-Mannschaft nur mit deutschen Ringern nicht voll bekomme. Zudem wollten diese gewinnen. Verlöre die dann geschwächte Mannschaft dann aber im Laufe der Runde zu oft, bestünde die Gefahr, dass die Mannschaft ausblute und während der Saison zurückgezogen werden müsse. Doch auch der frühzeitige Rückzug der RWG wird eine Anzeige beim Deutschen Ringerbund (DRB) nach sich ziehen. »Nur so kann eine Ligenplanung und Gruppeneinteilung funktionieren«, erklärte Karl Rothmer auf Nachfrage unserer Redaktion. »Wenn wir ein Wunschkonzert zulassen, ist eine Planung mit Auf- und Abstieg nicht mehr möglich.« Über das Strafmaß entscheide nicht er, sondern der Rechtsausschuss. Allerdings sehe die Strafordnung in diesem Falle eine Rückstufung um zwei Klassen vor. Damit wäre der Start der RWG II in der kommenden Saison in der Oberliga ausgeschlossen.
Thomas Steigerwald

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